Kunstpreis

Der Kunstpreis des Bündner Kunstvereins soll jungen Künstlerinnen und Künstlern mit Bezug zu Graubünden verliehen werden. Nebst einer Publikation wird der Preisträgerin oder dem Preisträger ein Ausstellungsraum im Rahmen der Jahresausstellung zur Verfügung gestellt.

Der Medienverlag Somedia verlieh von 2012 bis 2018 in Zusammenarbeit mit dem Bündner Kunstmuseum Chur einen Kunstpreis. Ab 2019 wird der Preis vom Bündner Kunstverein verliehen. Die Publikationsreihe wird mit einem Relaunch weitergeführt. Nebst einer für Künstlerkarrieren wichtigen Publikation wird der Preisträgerin oder dem Preisträger zusätzlich ein Raum in der der Jahresausstellung zur Verfügung gestellt.

Künstlerinnen oder Künstler, die noch keine Publikation vorweisen können, erhalten mit dem Kunstpreis die Möglichkeit eine solche zu realisieren. Der Preis soll demzufolge vor allem junge Künstlerinnen und Künstler fördern, wie es das Leitbild des Bündner Kunstvereins vorsieht. Der Preis wird an Kunstschaffende verliehen, die in einem engen Bezug zu Graubünden stehen und an der Jahresausstellung der Bündner Künstlerinnen und Künstler vertreten sind. Die Preisträgerin oder der Preisträger des Kunstpreises wird von einer Jury erkoren.

Bisherige Preisträgerinnen und Preisträger

Flurina Sokoll (Preisträgerin 2019)

Flurina Sokoll (*1986 in Chur)
Sie hat in Zürich, Bern und London Kunst studiert und lebt heute in London. Im Rahmen der Jahresausstellungen im Bündner Kunstmuseum 2017 und 2018 ist sie mit subtilen Skulpturen aufgefallen, die aus vorgefundenen Materialien zusammengesetzt sind.

Die Künstlerin lässt den Dingen ihren Eigenwert oder bearbeitet sie fein, um sie schliesslich sorgfältig zu arrangieren. Sie verleiht ihren Skulpturen eine spezifische Bildhaftigkeit: Ihre Objekte bewegen sich zwischen Architekturfragment, Möbeldesign und Skulptur; sie erzählen von möglichem Gebrauchswert und sind doch autonome Kunstwerke. Sie treten dinghaft in Erscheinung und transportieren doch individuelle Geschichten. Der Bündner Kunstverein anerkennt die Offenheit, die Flurina Sokoll vorgefundenen Materialien und Dingen entgegenbringt ebenso wie die eigenwillige Bildsprache ihrer Arrangements, die immer wieder mit grosser räumlicher Sensibilität in Ausstellungskontexte gesetzt und architektonischen Zusammenhängen präsentiert werden.

Flurina Sokoll ist die erste Preisträgerin des Kunstpreises des Bündner Kunstvereins.

Chris Hunter (Preisträger 2018)

Chris Hunter (*1983)
Das künstlerische Schaffen von Chris Hunter ist vielfältig und umfasst verschiedene Medien: Zeichnung, Fotografie, Video, Objektkunst, Installation, Performances. Chris Hunter arbeitet immer wieder auch mit vorgefundenen Materialien. Der rote Faden durch sein Werk sind Erinnerungen und Lebensspuren. Chris Hunter erweist sich immer wieder als ein Poet des Alltäglichen, der besondere Momente festhält oder vergängliche Materialien sammelt und sie zu Trägern von Lebensgeschichten werden lässt.

Chris Hunter, 25 Grad, 2017, Sonnengebleichte Kissenbezüge hinter Glas, 158.5 x 59 cm (Foto: Thomas Strub)
Miguela Tamó (Preisträgerin 2017)

Miguela Tamo (*1962 in Poschiavo)
Die Bündner Künstlerin arbeitet mit den beiden Medien der Skulptur und der Zeichnung und lebt heute in Basel. Ihre Skulpturen befassen sich mit dem Körper im Raum. Die oft massiven Volumen besetzen Plätze und schaffen Zentren, die ihre Eigenheit behaupten.

Im scharfen Kontrast zur Umgebung betonen sie aber gleichzeitig auch das Bewusstsein für den spezifischen Ort. Ganz im Gegenteil dazu ziehen ihre ungegenständlichen Linien-Zeichnungen die Betrachtenden in die Bilder hinein. Die Grossformate verströmen durch die mäandrierenden Linienführungen eine hypnotische Wirkung und rufen eine intime Stimmung hervor.

Katharina Vonow (Preisträgerin 2016)

Katharina Vonow (*1951)
Die Künstlerin blickt auf ein 50-jähriges fotografisches Werk zurück und arbeitete unter anderen für Printmedien wie die «Neue Zürcher Zeitung», den «Tages-Anzeiger» Zürich oder «Das Magazin». Selbst das Time Life Magazin druckte eine ihrer Arbeiten ab. Vonow schuf zudem Fotografien im Bereich der Bildenden Kunst.

Die Gleichzeitigkeit von Auftrags- und freien Arbeiten sind charakteristisch für die Künstlerin, die selbst keinen Unterschied und schon gar keine Hierarchien zwischen ihren Bildern macht. Für sie ist der Moment, in dem die Fotografie entsteht, wichtig. Vonow versteht es, den Augenblick des Fotografierens zu einer Beiläufigkeit werden zu lassen. Und obwohl fast alle ihrer Bilder inszeniert sind, bestechen sie deshalb durch spürbare Natürlichkeit und Intimität.

Remo Albert Alig (Preisträger 2015)

Remo Albert Alig (*1971 in Chur)
Der Künstler arbeitet an einem vielschichtigen konzeptuellen Werk, in dem die Materialität der Werke eine tragende Rolle einnimmt. Er umkreist in seinen Arbeiten Grundfragen der Wahrnehmung, der Sinnkonstruktion und der Wissensproduktion. Wie entziffert der Mensch die Welt? Wie konzipiert sich Sinn in dem, was er liest und in seinem Leben vorfindet?

Die Kunstwerke von Remo Albert Alig bringen unsere verinnerlichten Erkenntnisschemata in poetisch-philosophischer Art und Weise durcheinander. Dadurch setzt er einen fruchtbaren Konflikt zwischen Wahrnehmen und Denken in Gang.

Ester Vonplon (Preisträgerin 2014)

Ester Vonplon (*1980)
Der Ausgangspunkt der Fotokünstlerin ist immer wieder die Landschaft. Spezifisch ist dabei nicht der konkrete geografische Ort, sondern das Faktum, dass Landschaft zuerst und vor allem als formbare Materie erscheint und elementaren Bedingungen folgt: Wir erfahren Fels, Schnee, Eis, Sand, Wüste, Wolken als verschiedene Aggregatszustände in einen kontinuierlichen Prozess von Werden und Vergehen.

Ester Vonplon bewegt sich mit ihren Arbeiten auf einem schmalen Grat, auf dem die fotografische Aufnahme die sichtbare Welt zwar noch widerspiegelt, zugleich aber das Medium durch eine sehr experimentelle Handhabung als solches in Erscheinung tritt und die besonderen Bedingungen reflektieren lässt. Die Aufnahmen sind dadurch ebenso konkret wie abstrakt.

Evelina Cajacob (Preisträgerin 2013)

Evelina Cajacobs (*1961 in Sumvitg)
Ihr Schaffen bezieht die verschiedensten Medien und Gattungen ein, von raumplastischen Gestaltungen bis zu oft grossformatigen Zeichnungen oder eindringlichen Videoarbeiten. Sie lebt und arbeitet heute in Malans und Chur. Gemeinsam ist ihren Werken ein subtiler Umgang mit verschiedensten, oft textilen Materialien und ihre gestalterische Leichtigkeit.

Evelina Cajacob lädt die Betrachterin und den Betrachter mit ihren unaufdringlichen und gleichzeitig stupend sicher umgesetzten Reflexionen zu einer Expedition voller Überraschungen und Entdeckungen ein.

Javier Miguel Verme (Preisträger 2012)

Javier Miguel Verme (Preisträger 2012)
Sachlich und dokumentarisch lichtet Miguel Verme seit 1986 alpine und städtische Landschaften und Bauwerke der Schweiz ab. Der ausgebildete Architekt orientiert sich an der historischen Tradition der Landschaftsfotografie des 19. und 20. Jahrhundertst.

Seit einigen Jahren arbeitet er mit einer analogen Grossbildkamera. Vermes grossformatige Landschaftsbilder aus der Vogelperspektive mit hoch liegendem Horizont gewähren panoramaartige Überblicke aber auch fokussierte Einblicke, die entweder axial oder diagonal angelegt sind und das Gelände kartographisch visuell vermessen.